Project Ketogenic PeakBreak 2016

Das war TKRP - The Keto Reading Project | Phase 1

6 Monate, 181 Tage, 827 Fingerstiche zur Messung von Blutzucker und Blutketone, 6067 Einträge ins fddb-Ernährungstagebuch, 121 Aktivitätsaufzeichnungen, 181 Ruhepuls- und Stress-Messungen morgens, 13 Megabyte Daten aus Messungen und erstellten Analysen, unzählige Stunden Arbeit zur Auswertung und Dokumentation dieser Daten, viele Projekt-Unterstützer, viele einerseits kopfschüttelnde, ungläubige und andererseits sehr offene und zustimmende Interessenten an dem, wie ich seit August 2014 lebe und was ich von 1. November 2014 bis 30. April 2015 im TKRP-Projekt (The Keto Reading Project) für mich und andere an Information und Erkenntnissen erarbeitet habe.


Vorweg ein paar Sichten auf das halbe Jahr TKRP ...



Am Ende dieser 181 Tage fühle ich mit in erster Linie sehr stolz über über meine Disziplin, die ich - in diesem Experiment an mir selber - an den Tag gelegt habe! Ich habe tatsächlich jeden Tag alle regelmäßigen Messungen durchgeführt, die ich mir vorgenommen habe! Zwischendurch gab es immer wieder Momente, wo ich einzelne Messungen verflucht habe, mir gedacht habe "wann ist das endlich vorbei?", ich in meinem Umfeld Nachsicht verlangen oder bestimmte Dinge ablehnen musste - was diese Zeit nicht immer einfach machte.

Diese Disziplin, die vor allem auf meinem "Forscherdrang" beruht, war die Basis, dass ich weit mehr in diesem Projekt erreicht habe, als ich mir vorgenommen habe. Ich habe dadurch eine Fülle an Daten generiert und diese miteinander in Verbindung bringen und damit für mich kostbare Erkenntnisse über die Einflußfaktoren auf meine optimale ketogene Ernährungsform gewinnen können. Das hat viel Zeit, Überlegungen und Programmierarbeit in Anspruch genommen, mir aber auch viel Freude bereitet!


Was habe ich für mich erreicht?

Zu allererst: meine Neugier ist noch lange nicht gestillt! Es gab so viele Wissensgebiete, in die ich im Laufe meines Projektes reingeschnuppert habe, weil mir die Kenntnis bestimmter Zusammenhänge und Vorgänge im Körper rund um das Thema Stoffwechsel und Energiebereitstellung in den Muskeln wichtig erschien. Obwohl ich in der Zwischenzeit recht viel drüber weiß, habe ich nur an der Oberfläche gekratzt - und werde daher in Zukunft in diese Richtung weiterarbeiten.

Nun aber konkret:

  • Mein Körper hat sich sehr gut auf Fett als Haupt-Energiequelle angepasst und kann diesen Treibstoff durch mein Wissen über meine optimale Zusammensetzung der Makronährstoffe (Fett, Eiweiß, Kohlenhydrate) unter Berücksichtigung meiner Lebensbedingungen (Arbeit, Sport, Diabetes) sehr effizient und nachhaltig nutzen.

  • Ich hab nur mehr sehr selten Lust auf süßes Zeug! In den meisten Fällen lassen mich Mehlspeisen, Torten, etc. ziemlich kalt! Selbst wenn ich bei der Bäckerei vorbei gehe, in der ich früher täglich mein Mohnbeugerl oder andere vermeintliche Leckereien gekauft habe, zieht es mich da überhaupt nicht mehr hinein. Mein Körper braucht das nicht mehr und deshalb verlangt er es auch nicht! In Laufe meines Projektes habe ich nicht ein einziges Mal Süßspeisen oder ähnliches verdrückt! Auch wenn die Verlockung vor allem in der Umstellungsphase und später noch hie und da mal wirklich groß war, hat mein sehr simples Motivationssystem immer funktioniert! Der einfache Gedanke "Das ist nicht gut für mich und deshalb brauche ich es nicht!" in solchen Situationen hat das Verlangen nach diesem Zeug minimiert und mein Ziel, solange wie möglich ohne Medikamente mein Diabetes-Monster in Schach zu halten, wieder klar gemacht!

  • Durch meine neue Ernährungsform fühle ich mich wirklich den ganzen Tag fit! Auch wenn ich wie in den letzten Wochen des Projektes nur mehr zweimal am Tag - in der Früh und am späten Nachmittag - gegessen habe, war ich selbst an sehr anstrengenden Tagen im Büro immer voller Energie und konnte mich sehr gut konzentrieren! Ketone sind offensichtlich wirklich die bessere Nahrung für das Gehirn!

  • Ich schaffe es gut, mich abwechslungsreich und ausgewogenen zu ernähren und konnte verschiedene Nahrungsergänzungsmittel, die ich zu Beginn meines Projektes sicherheitshalber zu mir nahm, entweder einschränken oder ganz weglassen. Die Sicherheit dazu geben mir regelmäßige Blut-Labore, bei denen ich auch immer jene Vitamine und Mineralstoffe auswerten ließ, auf deren extremen Mangel durch Ketogene Ernährung deren Kritiker gern hinweisen. In keiner einzigen Untersuchung habe ich je eine Untergrenze unterschritten, ganz im Gegenteil: die Werte lagen stets im Mittelfeld der festgesetzten Bandbreiten.

  • Nochwas zu Labor-Daten: Cholesterin! Mein Gesamt-Cholesterin hat sich zwar erhöht, aber der Großteil des Zuwachses ist durch HDL zu verzeichnen, was eine total positive Entwicklung darstellt. Der einzig aussagekräftige Wert - nämlich Gesamt-Cholesterin/HDL - lag durchschnittlich bei 2,7 was beim Referenzwert von max. 4 ideal ist! Die Triglyceride lagen im Schnitt bei 61,5 mg/dl - ein Wert unter 70 stellt bereits ein Optimum dar! Darüber hinaus haben sich die VLDL-Werte von über 15 kontinuierlich auf 3 mg/dl gesenkt. Hohe VLDL-Werte (Very-Low-Density-Lipoproteine) könnten ein Indikator für zukünftige Arteriosklerose bzw. eine darauffolgende Herz-Kreislauf-Erkrankung sein. Ich werde noch eine detaillierte Analyse über meine Laborwerte veröffentlichen.

  • Was hab ich noch gelernt? Sicherheit und Routine im Umgang mit Lebensmitteln! Ich weiß jetzt ziemlich genau, welche Lebensmittel gut für mich sind und welche weniger. Außerdem bin ich schon recht fit im Schätzen von Gewichten verschiedener Lebensmittel z.B. Fleisch-Stücke. Damit kann ich auch sehr gut ableiten, welche Menge an Eiweiß ich bei einer Mahlzeit zu mir nehme und kann so den täglichen Eiweiß-Konsum gut steuern. Kohlenhydrate-Zählen ist heute nicht mehr notwendig, da ich es schon gut im Griff habe, wieviel Salat, bestimmte Gemüse oder Milchprodukte ich pro Mahlzeit essen kann um meine Individual-Kohlenhydrat-Schwelle nicht zu überschreiten.

  • Neben einem konstanten Körperfettanteil von ca. 8 bis 10% ist es mir durch verschiedene Krafttrainigsarten auch gelungen ca. 2 Kilo Muskeln zusätzlich aufzubauen - das freut mich besonders, weil auch hier von Kritikern die Rede ist, dass Training und Muskelwachstum ohne Kohlehydrate nicht möglich seien.

  • Das für mich wichtigste Ergebnis: Mein Blutzucker hat sich völlig normalisiert! Die letzte HBA1C-Messung (BZ-Durchschnitt der letzten 3 Monate) im April 2015 lag bei 5,9% (OK zwischen 4% bis 6,1%). Mein Höchstwert lag ja bereits bei 8,7%! Der durchschnittliche Blutzucker lt. meinen eigenen Messungen im April ist 100 mg/dl und inkludiert nicht nur Nüchtern-Messungen sondern alle Messungen z.B. auch jene nach dem Essen! Das finde ich großartig!

All diese Punkte sprechen für sich und zeigen mir, dass ich mit dem Gesamtpaket der Ketogenen Lebensform (Ernährung & Bewegung) am richtigen Weg bin! Ich werde diesem Weg auf jeden Fall weiter folgen und bin schon gespannt, was sich mit und in meinem Körper in den kommenden Monaten und Jahren noch tut! Regelmäßige Stationen auf diesem Weg sind weiterhin Kontrollen durch den Arzt meines Vertrauens! Damit bin ich auf jeden Fall sicher unterwegs!

Ein Ziel habe ich nicht erreicht - das hat allerdings nichts mit meiner neuen Ernährungsform zu tun! Ich habe auch eine Leistungssteigerung in meinen Ausdauer-Sportarten angestrebt, konnte aber infolge einer schlechten Work/Life-Bilanz wenig Zeit für Ausdauer-Training investieren. Und ohne Training geht halt nichts weiter! Doch jetzt starte ich durch! Ich werde berichten ...

Ich bin dankbar!

Viele Menschen haben mich in diesem halben Jahr bzw. schon seit dem Start meiner Umstellung auf diese breit be- und verurteilte Ernährungsform unterstützt und mir Mut gemacht, den begonnenen Pfad weiter zu beschreiten!

  • Nach meinen Recherchen im vergangenen Sommer, die doch noch einige Fragen offen ließen, war es mein Diabetes-Therapeut OA Dr. Michael Klecka (FA für Innere Medizin und Geriatrie am Landesklinikum Klosterneuburg), der mir mit seiner Aussage "So schnell passiert da nix! Mit regelmäßigen Kontrollen sind mögliche Probleme rechtzeitig aufspürbar!" die Angst vor dem ersten Schritt nahm! Danke für das "über den Tellerrand schauen" aus medizinischer Sicht, die Offenheit dafür und die Anlaufstelle!

  • Meiner lieben Frau danke ich unendlich dafür, dass sie mich immer wieder aufgebaut hat bzw. es mir nachgesehen hat, wenn ich in den ersten Wochen der Adaption wirklich mies drauf war, über alles Mögliche geraunzt habe und mich in Selbstmitleid suhlte - obwohl sie selber auch gerade keine einfache Zeit durchlebte. Ich danke ihr dafür, dass sie all ihre Augen zugedrückt hat,
    wenn ich zuhause durch penibles Wiegen und Protokollieren bei der Zubereitung und beim Essen mehr Zeit benötigte oder mal nicht bei der Sache war,
    wenn ich beim Auswärts-Essen neugierige Blicke auf uns zog, weil ich mit einer kleinen mobilen Waage hantierte und es peinliche Situationen gab,
    wenn ich die Wichtigkeit meines Projektes manchmal über jene von unseren gemeinsamen Themen stellte!
    Danke für deine Toleranz, Nachsicht und Geduld!

  • Danke an Freunde und Bekannte, die sich meine Geschichten bei verschiedensten Gelegenheiten anhören mussten oder die ich vielleicht brüskiert habe, weil ich bestimmte von ihnen angebotene Dinge nicht gegessen oder getrunken habe!

Nicht zuletzt auch Danke an meine Sponsoren!

  • Ein riesiges Dankeschön an A. Menarini Diagnostics Österreich, die mir es durch das Bereitstellen der Mess-Sensoren für Blutzucker und Blutketone ermöglichte, zahlreiche Messungen durchzuführen und mit diesem umfangreichen Datenmaterial die Basis für Analyse und Erkenntnisse zu schaffen!
    Es freut mich besonders, dass dort im Herbst 2014 mein damals erst geplantes Projekt auf soviel Interesse gestoßen und durch diese Unterstützung erst wirklich möglich geworden ist!

  • Vielen Dank an Pulse7 - Vitalmonitor , die mir den Vitalmonitor zur Verfügung stellte und an Berny Schimpl, der in dieser Zeit mein persönlicher Coach war! Mit den täglichen Messungen meines Stress-Levels und meiner Regenerationsfähigkeit wurde mir gut vor Augen geführt, dass selbst wenn man ein noch so hehres Ziel verfolgt, der Körper Erholung braucht! In den ersten Monaten meines Projektes war der zusätzliche Workload für den Aufbau dieser Website massiv und mein Bio-Age ist ziemlich angestiegen. Mit den Empfehlungen von Berny und jenen des Vitalmonitors konnte ich die Bio-Age-Kurve wieder nach unten bringen!

  • Ein großer Dank geht an mediclass, die mich mit monatlichen Body-Composition-Scans zum Null-Tarif und leistbaren Blutbefunden unterstützte! Nur wenn die Labor-Parameter engmaschig gemessen werden können, ist die Sicherheit gegeben und können notwendige Anpassungen vorgenommen werden!

  • Danke sehr an FDDB.info für die Möglichkeit, mein Ernährungstagebuch über eine Web-Schnittstelle, die nur einem eingeschränkten Entwicklerkreis angeboten wird, in meinen eigenen Datenpool runterladen zu können. Erst das Verknüpfen der Blut-Messwerte mit den Parametern der konsumierten Nahrung hat mir die Möglichkeit gegeben, meine individuelle Kohlenhydrat- und Eiweiß-Schwellen iterativ zu bestimmen, die den größten Anteil am nachhaltigen und effizienten Fettstoffwechsel haben.

Resümee

Ich habe irrsinnig großes Wissen über die Funktionsweise meines Körpers unter den vielen Einflußfaktoren meines täglichen Lebens gesammelt und kann diese Erfahrungen und Kenntnisse "gewinnbringend" in meinem weiteren Leben nutzen! Ich sehr bin stolz, dass ich das geschafft habe und Kompetenz beweisen konnte, was die Monat für Monat optimaler und effizienter werdenden Fettstoffwechsel-Parameter und der kontinuierlich sinkende Blutzucker-Spiegel eindrucksvoll zeigen!

Ich fühle mich mit der Ketogenen Lebensweise in keiner Weise beeinträchtigt oder eingeschränkt! Der Verzicht auf Dinge, die mir eh nicht guttun, fällt mir überhaupt nicht schwer!

Ich fühle mich derzeit so pudelwohl, wie schon lange nicht vorher in meinem Leben!


Ausblick

Neben den regelmäßgien Tagesmessungen hatte ich auch vor, viele andere Experimente über die Auswirkungen von Lebensmitteln, spezifischen Trainings oder Wettkämpfen durch zu führen. Einige dieser Experimente habe ich auch gemacht, bin aber noch nicht zum Analysieren und Dokumentieren der Daten gekommen.

Deshalb werde ich das TKRP-Projekt noch nicht abschließen sondern in die Phase 2 übergehen, in der ich weiter spezifisch experimentieren, analysieren, dokumentieren und bloggen werde! Ein paar neue Gadgets für noch genauere und aussagekräftigere Messungen bzw. alternative Messmethoden sind schon bei mir eingedrudelt ...